Nostalgiegarnitur der Wendelstein-Zahnradbahn aus dem Jahr 1912, © Peter Hofmann

Die Wendelstein-Zahnradbahn

Geschichte einer technischen Pionierleistung

Die touristische Erschließung des Wendelsteins begann im Jahr 1882/1883, als etwa 100 m unterhalb des Gipfels das Wendelsteinhaus – das erste ganzjährig bewirtschaftete Unterkunftshaus in den bayerischen Alpen – gebaut wurde. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Wendelstein das wohl beliebteste und meist besuchte Gipfelziel in der Umgebung Münchens. Eine Bahn hinaufzubauen, nach Vorbild aus den Schweizer Alpen, war eine logische Konsequenz. Verschiedene Ausgangsorte wie z.B. auch Bad Feilnbach waren Ende des 19. Jahrhunderts im Gespräch, scheiterten jedoch an den Kosten. Schließlich gelang es dem aus Baden stammenden Geheimen Kommerzienrat Otto von Steinbeis, seinen Wahlheimatort Brannenburg als Talstation für Deutschlands erste Hochgebirgsbahn durchzusetzen.

Otto von Steinbeis war ein Industriepionier mit Weitblick und brachte durch seine forstwirtschaftlichen Betriebe in Bosnien nicht nur Erfahrung im Schmalspurbahnbau sondern auch die nötigen finanziellen Mittel mit. Als er von 1910 bis 1912 seinen Plan vom Bau einer Zahnradbahn auf den Wendelstein in die Tat umsetzte, kam ein Dampfzug für ihn nicht in Frage. "Sein" Zug sollte mit elektrischer Energie den Berg bezwingen. Damals ein echtes Novum, denn in der ländlichen Wendelstein-Umgebung gab es zu dieser Zeit noch kein Stromnetz.

Am 4. Februar 1910 unterzeichnete der Bayerische Prinzregent Luitpold die Konzessionsurkunde. Im Brannenburger Ortsteil Hinterkronberg wurde 1910 ein Wasserkraftwerk mit zwei Turbinen errichtet. Sie erzeugten den Gleichstrom, den die Zahnradbahn für ihre Fahrt braucht. Auch hier macht sich das vorausschauende Denken von Otto von Steinbeis bemerkbar: Bereits in den Anfängen der Energieerzeugung baute er das Kraftwerk so, dass die Bremsenergie des talfahrenden Zuges per Rückspeisung für die gleichzeitige Bergfahrt des zweiten Zuges ausgenützt werden konnte.

Man kann es sich heute kaum vorstellen, wie es den 800 überwiegend bosnischen Gastarbeitern in nur zweijähriger Bauzeit gelang, die 9,95 km lange Bahnstrecke mit sieben Tunnels, acht Galerien, zwölf Brücken und aufwendigen Stützmauern zu errichten. Um die Bahn vor Steinschlägen und Lawinen zu schützen, hatte man die schwierigste der möglichen Baulinien gewählt. Was allein an Material bewegt und behauen werden musste, war, auch unter dem Aspekt heutiger Möglichkeiten, gewaltig.

Am 25. Mai 1912 wurde Deutschlands erste Hochgebirgsbahn feierlich dem Verkehr übergeben. Für das Wendelsteingebiet und für den bayerischen "Fremdenverkehr" begann ein neues Zeitalter.

Im Jahr 1961 zwang der zunehmende Straßenverkehr, der die Bahnlinie in Brannenburg schienengleich überquerte, zu einer Umbaumaßnahme. Der Talbahnhof der Wendelstein-Zahnradbahn, der sich zu damaliger Zeit am heutigen DB Bahnhof in Brannenburg befand, wurde in den Ortsteil Waching verlegt. Die Fahrzeit verkürzte sich damit von 75 auf 55 Minuten.

Seit 1991 gelangen Bergfreunde mittels zweier moderner Doppeltriebwagen in nur 25 Minuten auf den Wendelstein. Zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise bei den Mondscheinfahrten, werden jedoch auch heute noch zwei komplette historische Zuggarnituren aus der Gründerzeit der Wendelsteinbahn eingesetzt - zur Freude aller Nostalgie- und Eisenbahnfans.

Ausführliche Informationen über 100 Jahre Wendelsteinbahn-Geschichte können Sie in der Wendelstein-Chronik von Hans Vogt nachlesen. Erhältlich im Online-Shop.

Besuchen Sie auch die "Jahrhundert-Ausstellung" im Untergeschoss des Wendelsteinhauses.

Jahrhundert-Ausstellung über die Geschichte der Wendelsteinbahn, © Peter Hofmann

Jahrhundert-Ausstellung

Der Bau der Wendelsteinbahn vor über 100 Jahren war eine technische Sensation. Eine Ausstellung im Wendelsteinhaus gewährt Einblick in die interessante Geschichte

Die Wendelstein-Zahnradbahn, © Jürgen Grosch

Zahnradbahn

Lernen Sie Deutschlands älteste Hochgebirgsbahn kennen. Wo die ist? Natürlich am Wendelstein!

Kraftwerk der Wendelsteinbahn 1910, © Archiv der Wendelsteinbahn

Geschichte

Seit mehr als 100 Jahren liefert die Wendelsteinbahn sauberen Strom für die Region